Eindrücke von der Kulturreise des Blindenapostolates Südtirol nach Umbrien und in die Toskana

Datum

30. Mai 2026 - 06. Juni 2026
Abgelaufen!

Uhrzeit

Ganztags

Samstag, 30.05.2026 – Abfahrt und erster Zwischenstopp in Montepulciano

Die traditionellen Kulturreisen des Blindenapostolates Südtirol haben bereits fast alle Regionen Italiens zum Ziel gehabt oder zumindest gestreift. Umbrien ist eine der wenigen Regionen, die wir in diesem Rahmen noch nicht ausgiebig besucht haben. Vielleicht auch deswegen wurde als Ziel der diesjährigen Kulturreise vom 30.05. bis zum 06.06.2026 Umbrien gewählt.

Am Samstagmorgen starteten also 37 Personen in Bozen, nämlich blinde, sehbehinderte und sehende Reiselustige aus Südtirol, Österreich und Deutschland. Die Fahrt ging auf der Brennerautobahn in Richtung Süden, durch die Poebene und in langen Tunells unter den Apennin hindurch, bis wir südlich von Florenz die typische Landschaft der Toscana erreichten mit Hügeln, Olivenhainen, Weinbergen und Zypressen.

Am frühen Nachmittag kamen wir in Montepulciano an, wo wir auf unsere Reiseleiterin Catia trafen, die uns für die ganze Woche begleitet hat. Unterstützt wurde sie hier in der südlichen Toscana von Barbara, die die Führung in der Stadt übernommen hat. Wie alle weiteren Städtchen, die wir auf unserer Reise besuchen sollten, liegt Montepulciano auf einem Hügel. Dementsprechend führte die Straße zum Zentrum steil bergauf. In der nachmittäglichen Wärme kamen wir ganz schön ins Schwitzen und so mancher hatte das Gefühl, wirklich 600 Höhenmeter zurücklegen zu müssen, wie unsere Reiseleiterin uns angedroht hatte. Wir waren froh, dass wir wenigstens nicht ein 81 kg schweres Holzfass die Gassen hinauf rollen mussten, wie dies beim Wettrennen namens Bravio delle Botti der Brauch ist, das alljährlich in Montepulciano ausgetragen wird. Glücklicherweise erleichterten uns Rolltreppen oder Standseilbahnen während unseres restlichen Aufenthaltes jeweils die beschwerlichen Anstiege zu den Stadtzentren, die sich stets am höchsten Punkt auf dem Hügel befinden.

Montepulciano ist von den Etruskern im 5. Jh. V. CH. Gegründet worden. In der Stadt finden sich noch Spuren des Mittelalters und der Renaissance. Unser Spaziergang ging zuerst durch ein jüngeres und dann durch ein zweites, älteres Stadttor hindurch bis hinauf zum Hauptplatz mit der Kathedrale, historischen Gebäuden und dem Brunnen namens Pozzo dei Grifi e dei Leoni. Auf dem Platz spielten drei Musikanten Zigeunermusik.

Montepulciano ist bekannt für den Weinanbau. Deswegen stiegen wir vor unserer Weiterfahrt in einen kühlen Weinkeller hinunter, wo wir typische Produkte der Gegend und vor allem verschiedene Weine verkosteten. Darunter war der Vino Nobile, ein trockener Rotwein, der nur in Montepulciano hergestellt wird.

Anschließend setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten am frühen Abend Umbrien. Mit 850.000 Einwohnern ist Umbrien eine der kleineren Regionen Italiens. Als einzige der Regionen Mittel- und Süditaliens hat Umbrien keinen Zugang zum Meer. Nachbarregionen sind die Toscana, die Marken und das Latium. In Castiglione del Lago am Trasimenosee bezogen wir für die ganze Woche unsere Unterkunft.

Sonntag, 31.05.2026 – Siena: Mittelalterliche Stadt, Hl. Katharina und Palio

Für unseren Sonntagsausflug begaben wir uns noch einmal in die Toscana und zwar in die mittelalterliche Stadt Siena. Diese hat 53.000 Einwohner und ist auf drei Hügeln erbaut. Zunächst statteten wir der Dominikanerkirche einen Besuch ab, wo Reliquien der Heiligen Katharina von Siena aufbewahrt werden, nämlich ihr Haupt und der rechte Daumen. Dann spazierten wir hinunter zum Geburtshaus der Heiligen. Katharina lebte von 1347 bis 1380 und war eines der jüngsten von 25 Kindern eines Tuchfärbers. Schon in jungen Jahren führte Katharina ein tief religiöses Leben. Sie beeinflusste die damalige Gesellschaft und Kirchenpolitik stark, obwohl Frauen seinerzeit keinen großen Stellenwert hatten und Katharina keine Schulbildung genossen hatte.

Unser Spaziergang ging weiter bergab bis zum Bottino di Fonte Gaia , einem Teil eines unterirdischen Kanalsystems. Zu sehen waren drei Wasserbecken, wovon eines zur Trinkwasserversorgung, eines zum Tränken des Viehs und das dritte zum Wäschewaschen diente.

Vom Tal beförderte uns eine Rolltreppe bequem auf den nächsten Hügel, auf dem das Stadtzentrum erbaut ist. Hier besuchten wir zunächst das Armenspital Santa Maria della Scala. Siena liegt direkt auf der Via Francigena, einem der alten Pilgerwege nach Rom. Das Spital diente früher als Pilger-Hospiz und war bis 1992 noch als Krankenhaus in Betrieb. Heute beherbergt es ein Museum in dem sakrale Kunstwerke ausgestellt und wunderschöne Wandmalereien zu bewundern sind. Diese wurden uns auch anhand tastbarer Modelle nähergebracht

Dann ging es weiter zum Hauptplatz der Stadt, der muschelförmig angelegten Piazza del Campo. Er ist mit rötlichem Backsteinen gepflastert wobei hellere Streifen aus Travertin strahlenförmig Richtung Rathaus am unteren Rand des Platzes zusammenlaufen. Auf diesem Platz wird zweimal jährlich das historische Pferderennen Palio di Siena ausgetragen. Wie alle anderen Wettkämpfe, von denen wir bei unseren Besuchen in den verschiedenen Städten gehört haben, handelt es sich um einen Wettkampf zwischen den verschiedenen Stadtvierteln, den so genannten Contrade. Eigens vom jeweiligen Stadtviertel engagierte Reiter jagen ihr Pferd dreimal die Runde um den Platz, wobei alle Mittel zum Ausschalten der Konkurrenz erlaubt sind. Das Stadtviertel, dessen Pferd als erstes ins Ziel kommt, auch wenn dies ohne Reiter geschieht, gewinnt den Paglio. Die Senesi sind ein sehr stolzes Volk, und jung und alt halten sehr viel von dieser Tradition. Da am Abend des Tages, an dem wir Siena besucht haben, die Auslosung der teilnahmeberechtigten Contrade stattfinden sollte, marschierte auch ein Zug von Trommlern und Fahnenschwingern durch die Gassen. Alle waren in den Farben der Contrade gekleidet, der sie angehörten, und wir konnten uns ein akustisches Bild vom Einzug machen, der vor dem Rennen stattfindet.

Am Nachmittag besichtigten wir den Dom von Siena aus schwarzem und weißen Marmor. Die Fassade des Gotteshauses ist reich geschmückt mit Skulpturen und einem Mosaik das die Krönung Mariens zeigt. Wertvolle Bodenmosaike im Inneren zeigen biblische Szenen. Im 14. Jh. Hätte der Dom großartig erweitert werden sollen, so dass er die Ausmaße des Petersdoms in Rom übertroffen hätte, was aber wegen Geldmangels nicht umgesetzt werden konnte.

Montag, 01.06.2026 – Orvieto: Stadt auf und im Felsen

Am Montag stand der Besuch der Stadt Orvieto im Südwesten Umbriens auf dem Programm. Diese Stadt (19.000 Einwohner) ist auf einem riesigen Tuffsteinfelsen erbaut. Sie ist im 6. Jh. V. Ch. von den Etruskern gegründet worden. Dieses antike Volk hat überall in Umbrien seine Spuren hinterlassen. Die Etrusker waren hervorragende Baumeister, vieles über sie ist aber noch gar nicht erforscht worden und somit noch ein Geheimnis.

Als erstes begaben wir uns auf den Domplatz. Von ihm wurde uns eigentlich nichts Besonderes beschrieben, aber er strahlte trotzdem eine einladende und angenehme Atmosphäre aus. Vom Anblick der imposanten Fassade des Domes hingegen waren wir beeindruckt. Eine Begleiterin war überhaupt der Meinung, es handle sich um die schönste Kirchenfassade, die sie je gesehen habe. Die Fassade ist reich geschmückt mit Reliefs und mit goldhinterlegten Mosaiken, die Szenen aus dem Leben Mariens zeigen. Oberhalb des mittleren von drei Eingangsportalen aus Bronze befindet sich eine Rosette mit dem Haupt des Christus. Wie der Dom in Siena ist das Gotteshaus schwarz-weiß gestreift, allerdings besteht es nicht aus Marmor sondern aus Basalt und Travertin. Auch das Innere ist nicht so wertvoll gestaltet, aber trotzdem wirkte es prachtvoll. In einer Seitenkapelle erklärte uns Catia in lebhaften Bildern die Wandmalereien, die die Apokalypse und das letzte Gericht zeigen. In einer anderen Seitenkapelle verweilten wir einen Moment im stillen Gebet. Hier wird nämlich das Altartuch des Blutwunders von Bolsena aufbewahrt. Ein von Zweifel geplagter böhmischer Priester pilgerte im 13. Jh. nach Rom und als er bei Bolsena die Eucharistie feierte, tropfte Blut aus der Hostie in seinen Händen und tränkte das Altartuch. Von diesem Wunder ging die Einführung des Fronleichnamsfestes aus.

Mehrmals während unseres Aufenthaltes in und vor dem Dom schlug die Kirchturmuhr, und zwar wurde die Glocke vom ältesten automatisierten Glöckner zum Klingen gebracht. Diesem hat man den Namen Maurizio gegeben. Anschließend bummelten wir noch etwas durch die Gassen der Stadt bis zum Palazzo del Capitano, der heute ein Kongresszentrum beherbergt.

Am Nachmittag lernten wir dann die Unterwelt Orvietos kennen. Man könnte sich fragen, wie seinerzeit das Material zur Erbauung der Stadt auf den Felsen gebracht worden ist. Die Antwort findet sich in den vielen Kellern und Grotten unterhalb der Gebäude. Diese wurden nämlich in den Fels gehauen und mit den so gewonnenen Gesteinen wurden die Häuser erbaut. Die Etrusker hatten sich oben auf dem Felsen angesiedelt, weil sie dort sicher vor Feinden waren. Eine Herausforderung war aber die Wasserversorgung. So gruben sie 30 – 40 m tiefe Schächte in den Felsen um zu Wasserquellen zu gelangen. Wir stiegen in den Pozzo della Cave hinunter, der einst einer dieser Schächte war. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde der Schacht, wie viele andere, zugeschüttet, im 16. Jh. Aber wieder freigelegt und als Brunnen benutzt. Die heutigen Besitzer haben schließlich hier ein privates archäologisches Museum eingerichtet.

Zurück in unserem Bus und vor der Rückfahrt zu unserem Hotel warfen wir noch einmal einen Blick hinauf auf die Stadt am Felsen mit der Kathedrale, die das Bild beherrscht. Dabei entdeckten wir auch die Zement-Einspritzungen, mit welchen der Felsen gesichert worden ist, um ihn und somit die Stadt vor Erosion zu schützen, wie uns erklärt worden war.

Dienstag, 02.06.2026 – Stadt Spoleto, Wassergarten und Olivenöl

Spoleto hieß das Tagesziel am Dienstag. Diese terrassenförmig angelegte Stadt hat 36.000 Einwohner. Wir begannen unsere Erkundung oberhalb der Stadt bei der Burg Rocca dell’Albornoz, von wo aus wir einen schönen Blick über Spoleto hatten. Hier spazierten wir einer Promenade entlang, vorbei an Linden und Steineichen bis zum mittelalterlichen Ponte delle Torri. Diese Brücke ist 235 m lang und 76 m hoch. Sie verbindet den Hügel, auf dem die Stadt erbaut ist mit dem Monte Luco. Luco bedeutet Licht, und der Wald auf dem Monte Luco ist lichtdurchflutet. Dieser Ort war für die Römer heilig, Bäume durften nur zu religiösen Zwecken gefällt werden.

Später begaben wir uns bergab zum Dom. In diesem wird eine Handschrift des Heiligen Franz von Assisi aufbewahrt. Unsere Mittagspause verbrachten wir in den Plätzen und Gassen der Stadt, bevor wir immer bergab zu unserem Bus zurückbummelten. Unterwegs warfen wir einen Blick auf ein römisches Theater, in dem beim alljährlich stattfindenden Festival dei Due Mondi Opern-, Ballett- oder Theater-Vorstellungen aufgeführt werden, so wie an vielen weiteren Schauplätzen in der Stadt, z.B. vor dem Dom.

Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Wassergarten Fonti del Clitunno . Diese Grünanlage ist im 19. Jh. An der Quelle des Flusses Clitunno Angelegt worden. Es gab einen Teich auf dem Enten und Schwäne ihre Runden drehten. Wir spazierten am plätschernden Wasser entlang, hörten zu, wie der Wind die Blätter in den Pappeln und Trauerweiden zum Rascheln brachte und genossen es, für eine Weile die Seele baumeln zu lassen.

Zum Abschluss unseres Tagesprogramms kehrten wir noch in einer Ölmühle ein, wo uns die Herstellung kalt gepressten Olivenöls erklärt worden ist und wir solches auch verkosten und einkaufen konnten.

Mittwoch, 03.06.2026 –Perugia, Kunst und Schokolade

Am Mittwoch besuchten wir Perugia, die Hauptstadt Umbriens (162.000 Einwohner). Beim Aussteigen vom Bus wurden wir von einem kräftigen Regenschauer begrüßt, so waren wir froh, zuerst einmal das unterirdische Perugia kennenlernen zu dürfen. Es wurde uns erklärt, dass die Unterführungen, durch die wir gingen, einst die Straßen der Stadt waren, die Wände der Tunnels die Hausmauern. Nach der Eroberung der Stadt durch die Römer wurden alle Gebäude auf einer gewissen Höhe sozusagen abgeschnitten und als Fundament für die Errichtung einer Festung genutzt. Im 16. Jh. wurde die Festung wieder abgebrochen und der ganze Schutt in die unterirdischen Räume geworfen. Im 20. Jh. Schließlich Wurden diese dann wieder freigelegt und zugänglich gemacht. Die Gewölbe hier unten bestanden aus rötlichem Backstein, dieser Baustoff herrschte auch sonst in der Stadt vor und übrigens auch in vielen der anderen Städte, die wir auf unserer Reise besucht haben.

Der nächste Programmpunkt war der Besuch der Nationalgalerie Umbriens, eine der wichtigsten Kunstgalerien Italiens. Hier wurden wir durch zahlreiche Räume voll sakraler Kunst geführt, darunter war das sehr bekannte Gemälde namens Giotto-Kreuz. Einige der Kunstwerke konnten wir anhand tastbarer Nachbildungen blindengerecht erkunden. Mit viel Fachwissen und Begeisterung beschrieb und erläuterte uns Catia die einzelnen Werke sowie deren kunstgeschichtliche Besonderheiten.

In der Mittagspause durchstreiften wir wiederum die Straßen und Gassen der Altstadt, bewunderten das Wahrzeichen Perugias, den Brunnen auf dem Hauptplatz und warfen einen Blick in die Kathedrale. In dieser Kirche wird der Santo Anello aufbewahrt und verehrt, der Verlobungsring der Gottesmutter Maria, der nur an zwei bestimmten Tagen im Jahr öffentlich gezeigt wird.

Am Nachmittag begaben wir uns dann in die Città del Cioccolato. Hier wurde uns in einer multimedialen Ausstellung Anbau und Verarbeitung von Kakao sowie die Herstellung von Schokolade erklärt. Perugia ist bekanntlich eng mit Schokolade verbunden. So kennt wohl jeder die Pralinen namens Baci Perugina, die von der sonst für Mode bekannten Luisa Spagnoli erfunden worden sind. Zum Abschluss gab es noch eine Schokolade-Verkostung bei der wir, wie bei einer professionellen Weinkost, die Geschmackseindrücke verschiedener Schokoladen bestimmen sollten. Wir staunten sehr, wie unterschiedlich Schokolade schmecken kann. Im Shop wurden alle erdenklichen Arten Schokolade von 150 Herstellern angeboten, und wiederum tobten sich viele von uns hier einkäuferisch aus.

Für unseren Rückweg zum Bus nahmen wir die so genannte Minimetro, eine Art Standseilbahn, die teilweise unterirdisch und teilweise auf Metallkonstruktionen verläuft. Sie ist vor nicht allzu langer Zeit von der Südtiroler Firma Leitner gebaut worden.

Donnerstag, 04.06.2026 – Stadt Todi, Käseverkostung und Aufenthalt am Trasimenosee

Das Tagesziel für den Donnerstagvormittag hieß Todi. Diese Kleinstadt mit ihren 15.000 Einwohnern liegt im mittleren Tibertal, einem breiten und fruchtbaren Tal im Süden Umbriens nahe der Grenze zum Latium. Von einem Rosskastanienhain aus, bei dem unser Stadtbummel begann, hatten wir einen weiten Blick über die Landschaft, die uns als sehr harmonisch beschrieben worden ist. Die Landschaft in Umbrien ist hügelig, mal sanfter, mal mit höheren Erhebungen. Auf den Hügeln befinden sich häufig Dörfer oder Städtchen, es gibt viele Weinberge. Die Landschaft ist geprägt vom Grün der Laubwälder, vom Silbergrün der Olivenhaine und vom Gelb der fast reifen Kornfelder, in denen rote Mohnblumen blühen. Der Duft von Lindenblüten oder Jasmin, der uns auf unseren Wegen immer wieder einhüllte, versetzte uns in frühsommerliche Stimmung.

Todi ist im 7. Jh. V. Chr. von den Umbrern gegründet worden, einem weiteren antiken Volk, das, wie die Etrusker, in der römischen Kultur aufgegangen ist. Unser Bummel führte uns zum Hauptplatz mit der gotischen Kathedrale und mehreren Palästen aus der Renaissance.

Ein Teil der Gruppe besuchte einen Park, in dem Skulpturen aus verschiedenen Materialien der US-amerikanischen Künstlerin Beverly Pepper ausgestellt sind. Sie ist 2022 in Todi verstorben.
Für den Mittag stand eine Käseverkostung auf dem Programm. Angeboten wurden uns Käse aus Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch. Da wir aber noch nicht mittaggegessen hatten, konnte uns die verabreichte Menge leider nicht zufriedenstellen.

Den Nachmittag verbrachten wir am Trasimenosee. Diesen hatten wir bisher ja kaum zu Gesicht bekommen, obwohl Castiglione del Lago, wo wir unsere Unterkunft hatten, an diesem Gewässer liegt. In Passignano am Nordufer machten wir Halt, spazierten der Strandpromenade entlang, hörten die Wellen plätschern, schleckten ein Eis und blickten über den grünlichen See und auf die Hügel mit Dörfern am gegenüberliegenden Ufer. Der Trasimenosee ist 16 km lang und 12 km breit, ist ein Binnensee, relativ niedrig und hat keinen richtigen Zu- oder Abfluss. Die Ufer sind vielfach mit Schilf bewachsen. Zum Schwimmen schien der See uns nicht sehr einladend.

Freitag, 05.06.2026 – Auf den Spuren von Franz von Assisi

Ein Höhepunkt unserer Reise stellte für manchen aus unserer Gruppe sicherlich der Freitag und damit der Tag in Assisi dar. Am Morgen besuchten wir die Franziskus-Basilika am Ortsrand Assisis, und zwar begannen wir im mittleren Teil der dreistöckigen Kirche. In der so genannten Unterkirche befand sich im Mittelalter das Grab des Hl. Franziskus. Es gibt eine Vielzahl von Fresken. Eine der Seitenkapellen ist reich mit Darstellungen aus dem Leben der Maria Magdalena ausgemalt, darunter ihre Begegnung mit dem Auferstandenen am Ostermorgen. Heute befindet sich das Grab des Heiligen in der darunterliegenden Krypta, die im 19. Jh. Erbaut worden ist. Dort hinunter stiegen wir über eine steile Treppe und gedachten Franziskus, dessen 800. Todestag heuer begangen wird. Anschließend gingen wir hinauf in die Oberkirche. Die Fresken von Giotto erzählen aus dem Leben von Franziskus und zeigen Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament.

Später brachten uns Kleinbusse weiter den Monte Subasio hinauf zur Einsiedelei Eremo delle Carceri, wohin sich Franziskus und seine Gefährten immer wieder zum Gebet und Fasten zurückgezogen haben. In der Stille dieses Ortes spürten wir dem Vermächtnis des Heiligen nach, mancher meditierte in der Ruhe einer Kapelle, die anderen machten sich in der Grotte, in der Franz hauste, ein Bild über die Entsagung und Armut, denen er sich verschrieben hatte. Bei einem Spaziergang vorbei an uralten Steineichen, in denen die Vögel laut zwitscherten, bekamen wir eine Ahnung davon, woher die große Naturverbundenheit des Heiligen rührte.

Für das Mittagessen stand an diesem Tag ein Picknick auf dem Programm, das von einer Weinkellerei organisiert worden ist. Hierfür wurden wir in einen Weinberg geführt, direkt unterhalb von Assisi mit Blick auf die Basilika. Wir bekamen verschiedene Weine zu kosten und dazu typische Produkte der Region wie Käse, Wurst und Spanferkel. An der frischen Luft und unter den Weinreben schmeckte alles hervorragend, und wir freuten uns, Umbrien so auch in kulinarischer Hinsicht etwas kennenzulernen.

Gestärkt brachen wir später zu unserem letzten Programmpunkt auf, nämlich zum Besuch der Basilika Santa Maria degli Angeli. Diese ist an jenem Ort erbaut, wo die Portiunkula-Kapelle gestanden hat, die Franziskus wieder aufgebaut und um welche herum er und seine Brüder sich in ärmlichen Holzhütten niedergelassen haben. Der ganze Ort, also die Kapelle, die nach wie vor innerhalb der Basilika steht, der Platz wo die Hütten standen sowie die Stelle , wo Franziskus gestorben ist, wurde mit der mächtigen Basilika überbaut. Das Gotteshaus ist die siebtgrößte Kirche Italiens.

Wenn auch Assisi ein Ort ist, der möglichst zu Fuß und eher in einer kleineren Gruppe erlebt werden sollte, , so wie seinerzeit Franziskus weit in Umbrien und darüber hinaus herumgewandert ist, so war der Tag wie wir ihn verbringen konnten doch ein gelungener und konnte uns etwas vom Geist dieses Heiligen vermitteln.

Samstag, 06.06.2026 – Gubbio und Heimreise

Und schon war wieder der letzte Tag unserer Reise gekommen. Am Samstagmorgen luden wir unser Gepäck in den Bus auf und Verliesen Castiglione in nordöstliche Richtung. Vor der Heimfahrt machten wir noch einen Zwischenstopp in Gubbio. Dieses Städtchen war wiederum auf einem Hügl erbaut und die Gassen führten steil bergauf. Auf dem Hauptplatz angelangt begaben wir uns in den mittelalterlichen Palazzo dei Consoli, wo eine Ausstellung historischer Funde eingerichtet ist. Besonders bemerkenswert hier waren sieben in Bronze gegossene Tafeln aus dem 3. Jh. V. Ch. Diese enthalten Schriften in umbrischen Buchstaben, die religiöse Riten beschreiben.

Anschließend ging es mit einem luftigen Korb-Lift nochmals 270 m weiter in die Höhe zur Basilika San Ubaldo. Dieser ist Patron der Stadt und hat im 12. Jh. gelebt. Catia erzählte uns ausführlich von der Corsa dei Ceri. Bei dieser werden drei säulenartige Holzkonstruktionen herumgetragen, auf denen sich Statuen des Heiligen Ubald, des Heiligen Georg und des Heiligen Antonius befinden. Die Holzkonstruktionen sind 5 m hoch, wiegen samt Tragevorrichtung 300 kg und werden von 8 Männern getragen. Diese rennen in 11 Minuten die Strecke vom Stadtzentrum bis zur Basilika hinauf und wechseln im Lauf noch untereinander die Position. Es ist ein Wettrennen, aber der Sieger steht bereits im Voraus fest, denn gewinnen muss die Statue des Patrons San Ubaldo.

An diesem Mittag aßen wir alle gemeinsam in einem Restaurant, bevor wir unsere Reiseleiterin Catia verabschieden mussten. Wir waren uns in der Gruppe ziemlich einig, dass Catia eine sehr gute Reiseleiterin war, die sich sehr gut auf unsere Gruppe eingestellt hat. Sie hat es verstanden, die Zeiten angemessen einzuteilen, hat begeisternd ihr großes Wissen mit uns geteilt und sie hatte die Fähigkeit, uns die Sehenswürdigkeiten so zu beschreiben, dass wir eine gute Vorstellung davon erhalten konnten. Ihr sei also großer Dank für eine gelungene Reise gesagt.

Dann traten wir endgültig die Heimreise an. Zunächst ging es über eine almähnliche Landschaft über den Apennin in die Region Marche nach Fano und dann der Adriaküste entlang bis nach Ravenna. Wir durchquerten wiederum die Poebene und fuhren bei Modena in die Brennerautobahn ein.

Nach altem Brauch nutzten wir die Zeit um auf die vergangenen Tage zurückzublicken und um allen zu danken, die es uns immer wieder ermöglichen, unsere Reiselust auszuleben. Namentlich genannt wurden Niko, der wie immer Motor des Vorhabens war, Barbara vom Apostolatsbüro, die bei der Vorbereitung beteiligt war, Anna, die während der ganzen Woche den Überblick über die Gruppe und den Verlauf zu halten hatte, unser Chauffeur Guido , der zum ersten Mal mit uns unterwegs gewesen ist und sich ebenfalls gut auf die Gruppe eingestellt hat und nicht zuletzt unsere sehenden Freunde, die uns begleitet haben und an dem was sie sehen konnten teilhaben Liesen. Wir haben wieder eine gute Zeit verbracht, mit Umbrien eine wunderschöne Gegend kennengelernt oder wieder einmal besucht und haben in unserer Gemeinschaft Freundschaft und gegenseitiges Wohlwollen erleben können. All dies sowie die Hoffnung, auch im nächsten Jahr wieder eine Reise unternehmen zu können, hat uns zufrieden in unseren jeweiligen Alltag zurückkehren lassen.

Gabi Bernard (Teilnehmerin)
I-39054 Oberbozen, Juni 2026

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