ÜBER 50 JAHRE SELBSTLOSER EINSATZ, NICHT NUR FÜR BLINDE...

 
 
 
Maria Fischnaller Pircher

  • Vollblind
  • Präsidentin des Blindenapostolates Südtirol seit 1956
  • Präsidentin des Vereins Blindenzentrum St. Raphael seit 1979

Verstorben am 10. Mai 2014

Die wichtigsten Verdienste auf einem Blick:

Gründung des Blindenzentrums als Zentrum, Pflegeeinrichtung und Anbieter landesweiter Dienste für Blinde und Sehbehinderte beider Sprachgruppen.

Gründung des Blindenapostolats Südtirol mit den verschiedensten Initiativen im religiösen und sozialen Bereich. Das Apostolat ist landesweit und international tätig.

Gründungsmitglied und ausschlaggebende Mitarbeit bei der FIDACA, internationale und vom Vatikan anerkannte Dachorganisation, für die katholischen Vereinigungen mit Schwerpunkt der Tätigkeit für die Entwicklungshilfe im mittleren und Fernen Osten, in Afrika sowie in Süd- und Mittelamerika.

Trägerin und Gründungsmitglied der Kamillianischen Familie, eine Vereinigung zwischen Blinden, Körperbehinderten und Sehenden, mit Initiativen und konkreter Unterstützung von Entwicklungsprojekten bei den Kamillianern in Thailand, auf den Philippinen, in Kolumbien, in Indonesien auf der Insel Flores, weiter in EX-Jugoslawien, Moldawien, Ukraine, Rumänien, Litauen, Ungarn, Kongo und Brasilien.




...in jungen Jahren
...in jungen Jahren
...bei Papst Johannes Paul II
...bei Papst Johannes Paul II
...beim töpfern
...beim töpfern
 

Lebensbild

MARIA FISCHNALLER WWE. PIRCHER, geboren am 16.03.1933 in Lüsen (BZ) als ältestes von 10 Kindern (vier davon sind blind). Besuchte die Volksschule in Hinterlüsen. Schon während der Schulzeit und anschließend, als Mariedl bei Bauern im Haushalt war, verschlechterte sich ihr Sehvermögen bis zur völligen Erblindung.

1952 bis 1956
kam sie nach Innsbruck in die Blindenanstalt zur Umschulung und zur Erlernung eines blindenspezifischen Berufs - das Maschinestricken. Damals schon machte sie die Erfahrung, wie wohl Gemeinschaft tut und wie wichtig es ist, sich um andere zu kümmern. Wieder zurück nach Südtirol, war sie von

1956 bis 1959 in Brixen als Maschinestrickerin tätig. Gleichzeitig begann sie, eifrig Kontakte zu Betroffenen zu knüpfen und das Blindenapostolat Südtirol aufzubauen. Von den Vertretern des damals von italienischer Seite geführten Blindenverbandes wurde ihre Initiative argwöhnisch beobachtet. Doch sie ließ sich nicht von ihrer Idee abbringen, außerhalb der Verbandsversammlungen den persönlichen Kontakt und Gedankenaustausch bewusst zu pflegen und zu erweitern.

1956 gründet sie das Blindenapostolat Südtirol, die erste Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Behinderung in Südtirol.

1957 besuchte sie mit einer Gruppe von Südtirolern den internationalen Kongress des Blindenapostolates in Innsbruck. Weiters organisierte sie die erste Werkwoche in Reinegg bei Brixen. Dabei wurde der Wunsch nach einer geeigneten Struktur für Blinde in Südtirol immer brennender und sie wurde von ihren Freunden aufgefordert, sich dafür einzusetzen.

1959 bis 1960 Telefonistenausbildung in Padua.

1961 bis 1980 Tätigkeit als Telefonistin bei der Südtiroler Landessparkasse.

1960 bis 1969
war sie Zweite Vorsitzende der Landesgruppe Südtirol des Italienischen Blindenverbandes (Unione Italiana Ciechi), wo sie sich vor allem um die Ausbildung und Umschulung von Blinden in Südtirol kümmerte. Sie setzte sich auch entschieden für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Blinde ein.
Durch die regelmäßige Veranstaltung von Treffen und durch die Organisation von Freizeitwochen und Bildungsreisen wurden immer neue Kontakte geknüpft und weitere Freunde für die Verwirklichung eines Blindenheimes gewonnen.

1962 und 1965
Teilnahme an Bildungswochen in der Steiermark und in Salzburg. So kamen wieder neue Freunde und Gönner hinzu, die in Bezug auf die Einrichtung für Blinde zum Weitermachen ermutigten. Aus diesen Teilnahmen entstanden auch die Blindenbildungswochen in Südtirol.

1963 wurde von Bischof J. Gargitter dem Blindenapostolat ein Blindenseelsorger zugesichert, den Maria seit Jahren vom Bischof erbettelt hatte. Bischof Gargitter war mit Mariedl (so ist sie allgemein bekannt) auch bei den Blindenbildungswochen in Reinegg dabei, wo bereits Kontakte zu anderen Blindenverbänden gepflegt wurden.

1968 Schenkung des Grundstückes für den Bau des Blindenheimes von Seiten des Prälats Msgr. Dr. Georg von Hepperger. Nun fing der langwierige und bürokratische Weg der Planung und Finanzierung an.

1968 organisiert Maria Fischnaller an Stelle der Werkwochen die erste Bildungswoche in der Lichtenburg, wo nun auch genügend Platz für ausländische Gäste war. Seither ist diese zu einer fixen jährlichen Veranstaltung geworden.

1970 Heirat mit Otto Pircher, ebenfalls blind

1976 Grundsteinlegung des Blindenzentrums in Bozen

1977 organisiert sie das erste Bezirkstreffen mit den Pfarrgemeinden, das seither mehrmals im Jahr im Rahmen der Hauptgottesdienste in verschiedenen Pfarrgemeinden weitergeführt wird, damit durch diese Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Pfarrgemeinden der behinderte Mensch wahrgenommen wird.

1979 zogen die ersten Blinden in das neue Heim.

1980 feierliche Einweihung des Blindenzentrums.
Die Errichtung des Blindenzentrums “St. Raphael“ war nur dank ihres Mutes, ihrer Beharrlichkeit, ihres unermüdlichen Einsatzes sowie der finanziellen Unterstützung der vielen Freunde aus dem In- und Ausland möglich. Seit der Errichtung des Hauses war sie Präsidentin des Vereins "Blindenzentrum St. Raphael" und dort auch konkret bei der Führung tätig. Das Angebot des Blindenzentrums wurde im Laufe der Jahre strukturell und inhaltlich erweitert. Heute werden neben einer neu errichteten Pflegeabteilung auch die mobilen Dienste für Blinde wie Frühförderung, Schulberatung, Mobilitätstraining, Training für lebenspraktische Fertigkeiten sowie Hausbesuche im ganzen Lande angeboten.
...mit ihren geliebten Patenkindern
...mit ihren geliebten Patenkindern
...bei einem Hilfsprojekt in Kroatien
...bei einem Hilfsprojekt in Kroatien
...mit Prof. Hansjörg Rigger
...mit Prof. Hansjörg Rigger
...beim Lenken eines Bootes
...beim Lenken eines Bootes
...als Präsidentin des Blindenzentrums
...als Präsidentin des Blindenzentrums
 

Behindertenübergreifende Akzente

1981 organisiert sie im Blindenzentrum einen Tag der offenen Tür für Menschen mit Behinderung. Es war ein großer Erfolg. Diese Kontaktaufnahme mit anderen Behinderten ermutigte auch diese, ihre Anliegen in der Öffentlichkeit zu vertreten, was damals keine Selbstverständlichkeit war.
Im selben Jahr gründete sie zusammen mit dem Kamillianer Pater Paul Haschek die Kamillianische Familie, eine Gemeinschaft von Blinden, Körperbehinderten und ihren Begleitern. Sie trifft sich bis heute regelmäßig und hat mit Prof. Hansjörg Rigger einen neuen geistlichen Assistenten gefunden.

1984 nimmt sie Kontakt auf zur Mission. Sie reiste nach Thailand und besucht Blinde und Aussätzige. Sie berichtet auf einer Kassette anderen Blinden über diese beeindruckenden Erlebnisse. Aufgrund der überaus positiven Rückmeldungen entschließt sie sich zur Herausgabe des ersten Hörbriefes für Blinde. Mittlerweile erreicht er 800 Hörer im In- und Ausland. Sie unternimmt weitere Reisen (1985 nach Kolumbien, 1993, 1997 und 2002 nach Thailand in die kamillianischen Missionsstationen) und startet zahlreiche Hilfsaktionen in Ex-Jugoslawien, Polen, Philippinen, Litauen, Ukraine.

Als konkretes Ergebnis für ihren Einsatz konnte sie in diesen Ländern zahlreiche Entwicklungsprojekte fördern und an die 300 Patenschaften für Kinder von Behinderten, Leprakranken und Ureinwohnern bzw. staatenlosen Flüchtlingen und Rauschgiftsüchtigen in Thailand, sowie für die Straßenkinder von Manila auf den Philippinen vermitteln. Ebenfalls besorgte sie seit Jahren die finanziellen Hilfsmittel und Beiträge von Seiten der öffentlichen Hand für ihre Projekte.

Mariedl unternahm stellvertretend für die Paten der anvertrauten Patenkinder Reisen, um mit diesen den Kontakt aufrecht zu erhalten, wobei sie jeweils all die Jahre die Reisekosten und die Spesen für die Apostolatsarbeit zum größten Teil aus eigenen Mitteln bezahlt hat.

Ihre ganzen Beziehungen zu den internationalen Projekten waren ihr ein ganz großes Anliegen und nahmen sehr viel Zeit in Anspruch, sei es durch Telefongespräche oder durch persönliche Kontakte und Gespräche. Das Wichtigste und der Sinn für diese Projekte war für Maria die Aufrechterhaltung der persönlichen Kontakte zu diesen Menschen. Die finanzielle Unterstützung ist bis heute unbeschreiblich wichtig, damit die Brücken nicht abbrechen.

Ab 1991 Aktive Mitarbeit beim Kirchensender der Diözese Bozen-Brixen auch in Vertretung anderer Behindertengruppen. Dieser Aufgabe ging sie bis an ihr Lebensende nach.

1996 erhält sie die Verdienstmedaille des Landes Tirol

Maria Pircher war von Anfang an Mitglied des Österreichischen Blindenapostolats und war von 1996 bis 1999 Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Blindenvereinigungen im deutschen Sprachraum. Weiters war sie Delegierte für Südtirol bei der FIDACA (dem internationalen Dachverband der katholischen Blindenvereinigungen), die ihren Sitz in Paris hat.
Sie vertrat das Blindenapostolat Südtirol bzw. die Behinderten im katholischen “Forum” (Zusammenschluss aller katholischen und kirchlichen Verbände der Diözese Bozen-Brixen).

Sie war 9 Jahre lang im Vorstand der katholischen Frauenbewegung in Südtirol.

Seit dem Jahr des Behinderten 1981 organisierte sie jährlich Glaubensseminare, Reisen und Wallfahrten für das Blindenapostolat und die Kamillianische Familie überallhin. Auch war sie eine leidenschaftliche Modellierkünstlerin und organisiert in regelmäßigen Abständen internationale Töpferkurse für alle Interessierten.

Ihre Philosophie war es den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen; offen und positiv eingestellt sein, zuhören, spontan da sein für die Probleme anderer, immer im Vertrauen auf Gottes Hilfe.

2013 erhält sie die Diözesanmedaille der Diözese Bozen-Brixen, die Frauen in der Regel nur sehr selten erhalten. Dementsprechend hat sie diese sehr geschätzt.

2014 Am 10. Mai 2014 verstarb Maria Fischnaller Pircher plötzlich und unerwartet während eines Glaubensseminars in der Lichtenburg. Es sollte an diesem Tag eine große Jubiläumsfeier zum 400. Todestag des Heiligen Kamillus begangen werden, doch am Morgen erschien sie nicht, sie war über Nacht friedlich entschlafen.

Nun werden alle von ihr ins Leben berufenen Initiativen vom Vorstand des Blindenapostolates Südtirol und einer Kerngruppe der Kamillianischen Familie weitergeführt.

...in Gemeinschaft auf Reisen
...in Gemeinschaft auf Reisen
...sie liebte Blumen und die Natur
...sie liebte Blumen und die Natur
...mit Pater Paul Haschek
...mit Pater Paul Haschek
...beim Erhalt einer Auszeichnung für ihre ehrenamtlich geleisteten Dienste
...beim Erhalt einer Auszeichnung für ihre ehrenamtlich geleisteten Dienste
...beim Erhalt der Ehrung von Seiten der Diözese Bozen-Brixen
...beim Erhalt der Ehrung von Seiten der Diözese Bozen-Brixen